In der Zeit vom 1. Juli 2020 bis zum 31. Dezember 2020 soll der Mehrwertsteuersatz von derzeit 19 % auf 16 % gesenkt werden, der ermäßigte Satz wird von 7 % auf 5 % gesenkt. Diese Maßnahme ist Teil des Konjunkturpakets, das beschlossen wurde, um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise abzumildern.

Über diese Maßnahme sprachen wir auch mit Thomas Heimbach, Vorsitzender des AOV NRW und Vorsitzender des Betriebswirtschaftlichen Ausschusses des ZVA. Im Telefoninterview gab er eine erste Einschätzung. Ein Punkt, den er dabei angesprochen hat: Die Umstellung der EDV.

Hier geht’s zum Interview mit Thomas Heimbach

Zum 1. Juli 2020 und zum 1. Januar 2021 müssen Registrier- und Computerkassen den korrekten Mehrwertsteuerbetrag ausweisen. Das betrifft auch die Rechnungsstellung und weitere Funktionen in der Branchensoftware. Optikernetz.de hat bei Euronet und IPRO nachgefragt, auf was sich Augenoptiker einstellen müssen.

Martin Himmelsbach, Geschäftsführer IPRO GmbH: „Grundsätzlich ist es aus meiner Sicht eine gute Entscheidung, eine Gießkanne zu verwenden und nicht wieder einzelne Sektoren (Automobil, Banken, …) zu bevorzugen. Damit erhalten jetzt auch unsere Branchen Optik und Akustik Unterstützung. Dass unsere Software winIPRO mit unterschiedlichen Mehrwertsteuern umgehen kann, ist die gute Nachricht.“ Es gebe aber noch die eine oder andere Frage, man sei aber zuversichtlich, alle noch offenen Fragen rechtzeitig klären zu können. Konkret führt Himmelsbach vier Punkte an:

„1. Mehrwertsteuersätze sind für winIPRO immer in einem Zeitraum gültig. Das heißt, dass für den normalen Betrieb der Software alle Umstellungen mit der nächsten Software-Wartung automatisch erfolgen. Der gültige Mehrwertsteuersatz wird datumsabhängig ermittelt – also können auch zum Beispiel Rechnungen richtig nachgedruckt werden und Stornos erfolgen zum damaligen Mehrwertsteuersatz.

2. Ob und wie unsere Kunden Preise neu kalkulieren ist eher eine Marketing-Entscheidung. Natürlich unterstützen wir sie dabei mit automatischen Kalkulationsprogrammen. Wir gehen aber davon aus, dass die meisten Kunden nicht neu kalkulieren werden. Unabhängig davon empfehlen wir einen ‚Mehrwertsteuer-Rabatt‘ verfügbar zu haben – also eine Reduktion des Verkaufspreises um 2,52 % , damit Kunden, die explizit fragen, direkt auch ihren Rabatt erhalten.

Ob und wie es neue Glaspreislisten oder andere empfohlene Verkaufspreise geben wird, ist heute noch offen.

3. Vor allem für Akustiker ist die Situation bei den Kassenpositionen unklar, da viele davon brutto vereinbart wurden. Ob und wie diese sich ändern, wird gerade von der Bundesinnung ermittelt. Bei den Optikern sind fast alle Verträge brutto abschlossen. Wir haken aber hier noch einmal nach, denn es ist nicht klar, was das für die Abrechnung von Kostenvoranschlägen bedeutet.

4. Die DATEV arbeitet mit Hochdruck an einer Software-Version, die für das halbe Jahr die Erlöse abhängig vom Buchungsdatum dem richtigen Konto zuordnet. Das ist für die Anwender mit DATEV Schnittstelle natürlich eine super Meldung, weil damit viel Arbeit gespart wird.“

Lutz Schaefers, Vertriebsleiter Euronet Software AG, erklärt: „Im Rahmen des Konjunkturpaketes erhalten Euronet Kunden umfangreiche Unterstützung in den Bereichen EDV und Marketing. Die Umstellung der Kasse, der Rechnungen und der Buchungssysteme zum 1. Juli ist sichergestellt. Ebenso werden die entsprechenden Mehrwertsteuersätze auf Websites und in den Webshops geändert, die unsere Kunden in Zusammenarbeit mit uns betreiben.

Inwieweit die befristete Senkung der MwSt. auf 16 % geeignet ist, um die Umsätze in der Augenoptik zu erhöhen, wird sich zeigen. In Kombination mit einer zielgenauen Marketingaktion, bietet die Senkung der MwSt. gute Chancen auf zusätzliche Verkäufe. Nach den vergangenen Wochen, in denen wir alle unsere alltäglichen Lebensgewohnheiten ändern mussten, kehrt nun nach und nach Normalität in unser Leben zurück. Das Konjunkturpaket ist ein guter Anlass, den Brillen- und Kontaktlinsenträgern zu zeigen, dass wir wieder für sie da sind. Dafür hat Euronet die ‚Back to Life‘ Kampagne entwickelt.

Zur weiteren Unterstützung bieten wir allen Augenoptikern und Interessierten umfangreiche und aktuelle Marktzahlen in unserem Market Research Bereich auf der Euronet Website an.“

Auch wenn der 1. Juli nicht mehr fern ist, Grund zur Sorge besteht also eher nicht. Bei Fragen sollte hier Kontakt mit dem Kassenhersteller und/oder Softwareanbieter aufgenommen werden.



Augenoptiker- und Optometristenverband NRW
(Landesinnungsverband)
Ruhrallee 9
44139 Dortmund

Telefon 0231 55 22-100
Fax 0231 55 22-111
E-Mail info(at)aov-nrw.de ×