Die artmix® gmbh in Konstanz entwirft und baut individuelle Läden, die aus der Funktion heraus geboren sind. In der Augenoptik ist das Unternehmen, obwohl es schon Objekte in unserer Branche realisiert hat, recht unbekannt. Das liegt daran, dass das Unternehmen bisher nicht immer auf einschlägigen Messen in der Augenoptik vertreten war. Geschäftsführer Henning Tartsch erklärt uns dies in einem Interview:

Optikernetz: Warum sieht man Sie im Moment auf keiner Fachmesse für Augenoptik als Aussteller?

Henning Tartsch: Weil wir der Meinung sind, dass im Ladenbau eine Konformität herrscht. Das heißt, es gibt so eine Art Ausstattungsstandard, den jeder Ladenbauer bietet und den die meisten Kunden anscheinend suchen und haben möchten. Mit anderen Worten: Die neu ausgestatteten Läden schauen im Ergebnis immer wieder gleich aus. Und das finden wir langweilig.

Optikernetz: An welchen Eigenschaften machen Sie das fest?

Henning Tartsch: Zum Beispiel an den gemischten Horizontalausstelllungen, also den geradlinigen Nischen, in denen die Brillen präsentiert werden. Diese Geradlinigkeit, die rechteckige Gestaltung, die symmetrische Gestaltung findet man überall wieder. Es sind auch die Materialien, die ausgesucht werden, die dann teilweise ins modernistische gehen. Es wiederholt sich immer wieder. Ich finde das vergleichbar. Und das ist ein Punkt, den wir unseren Kunden eben nicht bieten wollen.
Dieser Uniformität treten wir mit unserem 2018 neu entwickelten Planungstool ladenbau.spezial entgegen, das gerade vielfach in der Hörakustik gefragt ist, aber nur einmal in der Optik umgesetzt wurde. Ich könnte jetzt auf der Messe zu wenige beispielhafte Referenzen aus der Optik präsentieren. Und: Für den nächsten Kunden würde ich sowieso alles anders machen, also kann er sich seinen Laden auf der Messe gar nicht anschauen…

Optikernetz: Welchen Ansatz verfolgen Sie dann konkret, wenn ein neuer Auftraggeber an Sie herantritt?

Henning Tartsch: Wir waren, denke ich, der erste, der Ladenbau als Kommunikationsmaßnahme begriffen hat. Wir haben das Schlagwort „Corporate Architecture“ schon vor über 25 Jahren entwickelt. Für uns war schon damals die Architektur ein Stilmittel für den Ausdruck der Unternehmensidentität und Unternehmensphilosophie. Die müsste ja eigentlich im optimalen Fall – denn dahinter stehen ja Menschen – absolut individuell sein. Eigentlich müssten sich alle Augenoptikergeschäfte voneinander unterschieden.

Optikernetz: Ist das nicht etwas sehr idealistisch gedacht?

Henning Tartsch: Das ist unsere Überzeugung, mit der wir immer wieder aufs Neue unseren Kunden sehen. Es muss aber auch umsetzbar sein. Klar, kein traditioneller Augenoptiker ist Anbieter für ganz Deutschland. Aber in seinem kleinen Markt, in seinem Einzugsgebiet, in dem er tätig ist, sollte er sich bemühen, Marke zu werden im Sinne von „markant“ auf seinem Markt aufzutreten. Das hat alles etwas mit Marke sein (zu wollen) zu tun: Marke, Markt, markant. Diese Punkte hängen ja unmittelbar zusammen. Eine lokale Marke kann ich jederzeit werden. Dazu muss ich genau wissen, wer ich bin. Das muss ich formulieren können. Und ich muss auch meine Alleinstellungsmerkmale erarbeitet haben. Die werde ich vielleicht auch bei einem Kollegen in 50 Kilometern Entfernung wiederfinden. Aber da, wo ich zuhause bin, nicht. Damit bin ich allein dort unterwegs.

Optikernetz: Das klingt nach einem sehr strukturierten Vorgehen. Wenn diese Hausaufgaben gemacht sind, wie geht es dann weiter?

Henning Tartsch: Jetzt habe ich ja die Möglichkeit, dem Ganzen ein individuelles Gesicht zu geben.

Optikernetz: Geben Sie uns mal ein Beispiel.

Henning Tartsch: Aktuell greifen wir auf ein innovatives, neu entwickeltes eigenes Planungstool zurück. Das ist interessanterweise nicht aus der Augenoptik heraus entwickelt worden, sondern aus dem Bereich der Hörakustik, auf den wir ebenfalls schon seit langem spezialisiert sind. In unserem Akustikraum „floatroom.spezial“ steht keine Wand parallel zu einer anderen. Dort findet sich eine hervorragende Raumakustik. Im floatroom.spezial haben wir die Bauweise der großen Konzertsäle dieser Welt ins Kleine heruntergebrochen. Eine solch ungewöhnliche Raumform wirkt sich auch auf die Umgebung aus. Ich habe einen Raum mit Stufen und spitzen Winkeln. Bei einem Kunden von uns, der Augenoptik und Hörakustik anbietet, haben wir diese Asymmetrie in die Gesamtgestaltung übersetzt. Diese findet sich im eigenwilligen Schrägverband des Fußbodens, in der asymmetrisch angeordneten Beleuchtung und auch in den Möbeln wieder. Auch die Präsentationswände für Brillen sind asymmetrisch. Die zentrale Anordnung der Prüfräume folgt zudem auch den Arbeitsabläufen. Bei Projekten wie diesem entstehen extrem spannende Ladengeschäfte, die aus der Funktion heraus geboren sind. Diese kommen auch beim Verbraucher hervorragend an.

Optikernetz: Herzlichen Dank für das Interview, Herr Tartsch.

 

Die artmix® gmbh stellt in der Galerie ihrer Internetseite www.artmix.de zahlreiche Referenzobjekte vor, darunter auch die jüngst realisierten Projekte in der Augenoptik und Hörakustik.



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