Progressive Myopie ist seit einiger Zeit ein viel beachtetes Thema innerhalb der Augenheilkunde und der Augenoptik. Heute liegen dazu einige Studien vor und eines wird immer wieder deutlich – es besteht Handlungsbedarf. Neben dem Augenarzt ist auch der Augenoptiker erster Ansprechpartner für Betroffene bzw. für Eltern betroffener Kinder. Eine fachliche Weiterbildung zu diesem Thema ist wichtig, um Betroffenen die Verunsicherung zu nehmen und geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Auch und besonders Kommunikation und Aufklärung sind wichtig. Zwei, die sich mit dem Thema der fortschreitenden Myopie auskennen, sind Pascal Blaser und Gero Mayer. Sie entwickelten gemeinsam den Online-Kurs „Myopie Management“ auf der Website optik-weiterbildung.com sowie eine Informationsbroschüre zum Thema.

Optikernetz: Warum ist Myopie Management wichtig?

Blaser/Mayer: Das Sehen ist der wichtigste Sinn des Menschen. In unserem modernen Leben nehmen wir 90% des Alltags über die Augen wahr. Die Kurzsichtigkeit stellt hier einen massiven Eingriff in unser optisches System dar. Hinzu kommt durch sich verändernde moderne Lebensumstände eine so noch nie gekannte Entwicklung dieser Kurzsichtigkeit. Dies verunsichert massiv nicht nur die Betroffenen, sondern auch Augenspezialisten. Schlussendlich möchten wir ja dem Betroffenen helfen.

Auch wenn hier Kritiker einwerfen, dass es nur wenige Menschen betrifft, so sei hier auf ein Zitat von Dr. Oliver Hoppe verwiesen: „Dieser eine Betroffene hat es zu 100% und dann interessiert ihn auch keine Statistik mehr“.

Ein weiterer Faktor ist der Tatsache geschuldet, dass es hier vor allem um junge Menschen geht. Diese haben ihr gesamtes Leben noch vor sich. Eine hohe Myopie kann hier viele Träume und Wünsche wie Seifenblasen platzen lassen.

Hier können wir mit dem Myopie Management dem Kind helfen. Wir helfen ihm jetzt für später. Und das ist nicht kompliziert und abstrakt, sondern schön und direkt. Es erfordert eine eigene Sprache und Kultur, die gepflegt und gehegt werden will. Die Betroffenen werden es Ihnen danken.

Optikernetz: Wie entstand die Idee zur Website „optik-weiterbildung.com“ und dem Kurs „Myopie Management“, den Sie anbieten?

Blaser/Mayer: In Online-Foren ist immer wieder zu lesen: „Tolles Seminar/Konferenz – da wäre ich auch gerne vorbeigekommen“. Oftmals spielen die lange Anfahrt oder der betriebliche Stress eine große Rolle, nicht an Seminaren teilnehmen zu können. Hier immer wieder warten zu müssen auf das nächste Seminar in geeigneter Nähe, kann für den Interessierten frustrierend sein.

Wir haben uns in anderen Industriebereichen umgesehen und dort gibt es diese Online-Kurse schon sehr viel länger und die Nachfrage und Dankbarkeit sind immens groß. Hier war es an der Zeit in der Augenoptik nachzuziehen. Der Myopie Management Kurs bot sich an, da viele Irrtümer zu diesem Thema umherkreisen und die einzelnen Experten oft nicht zusammen auf Tagungen anzutreffen waren.

Wir haben damit einen Kurs geschaffen, der die aktuellen Entwicklungen und Möglichkeiten zum Myopie Management von den anerkanntesten deutschsprachigen Experten beinhaltet, überall gesehen werden und einfach verstanden werden kann.

Optikernetz: Wie haben Sie den Kurs entwickelt bzw. worauf haben Sie bei der Auswahl der Themen/Module geachtet?

Blaser/Mayer: Der Kurs hat sich, wie die meisten Projekte, auf dem Weg entwickelt. Wir hatten eine ungefähre Vorstellung vom Ablauf und haben so unsere Freunde und Kontakte angefragt. Es war zu unserem Erstaunen relativ einfach, die Experten für eine Mitarbeit zu gewinnen. Und das trotz des immensen Arbeitspensums der Kollegen.

Die Module sollten einen Überblick über alle Aspekte des Myopie Management bieten und das ist uns mit der Vielzahl der Module auch gelungen. Anatomie, Kontaktlinsen, Atropin, Kommunikation u.v.m. bieten dem interessierten Optiker einen umfassenden Überblick und eine wertvolle Lernquelle zur Anwendung in der Praxis.

Optikernetz: Was ist das Besondere an Ihrem Kurs?

Blaser/Mayer: Die unterschiedlichen Redner zeigen ihre Persönlichkeit und teilen ihr großes Wissen mit uns. Wir haben mehrere anerkannte deutschsprachige Experten zur Mitarbeit bewegen können. Damit haben Sie die Möglichkeit, sich umfassend über das Thema zu informieren, die Anwendung gleich zu erproben und gewinnbringend mit Ihrem Kunden zu arbeiten.

Zusätzlich, und das ist das Fantastische, können Sie den Kurs bequem auf dem Handy, Tablet, Laptop oder anderen mobilen Geräten anschauen. Wo und wann Sie wollen.

Optikernetz: Sie bieten eine Plattform von Kollegen für Kollegen. Soll sich das Ganze noch erweitern, quasi als Community, zu der immer neue Experten dazu kommen können?

Blaser: Sehr gerne. Das ist ein unausgesprochener Gedanke, der es ermöglichen würde, Augenspezialisten aus dem ganzen deutschsprachigen Gebiet eine Plattform zum Lernen, wo und wann sie wollen, zu bieten. Gero Mayer arbeitet da auch schon an weiteren Themengebieten. Die Organisation und Erstellung ist ziemlich zeitaufwändig. Aber gerade das Videoformat passt hier perfekt in die moderne schnelllebige Welt.

Optikernetz: Warum haben Sie eine Broschüre zum Thema Myopie entwickelt?

Mayer: Uns war es wichtig, eine unabhängige Broschüre von verschiedenen Experten zu entwickeln, um die Eltern und Kinder über die Entwicklung der Kurzsichtigkeit und deren mögliche Folgen aufzuklären.

Dieser Wunsch entstand als Konsequenz aus der Beendigung des Kurses für Augenspezialisten und dem Drang auch die Betroffenen selbst zu erreichen. Pascal Blaser hatte die Idee und ohne seine Energie wäre diese Broschüre in diesem großen Rahmen auch nicht verwirklichbar gewesen.

Optikernetz: Wie wichtig ist die Kommunikation mit Betroffenen und Eltern und wie kann Ihre Broschüre hier unterstützen?

Blaser/Mayer: Die Kommunikation ist immer im Umgang mit Menschen das Wichtigste. Hier ist nicht nur die sprachliche Kommunikation gemeint. Die Werbeindustrie setzt konsequent seit Jahren immer wieder Reize, bis der gewünschte Funke überspringt. So ist es auch mit der Broschüre. Sie fällt im Geschäft beim ersten Besuch gar nicht auf. Aber vielleicht beim zweiten Mal. Dann wird ein bisschen darin geblättert und die Broschüre wieder beiseitegelegt. Doch eines Tages finden die Eltern und ihr Kind irgendeinen Grund und dann ist die Broschüre da und wird gelesen. Da sie unabhängig ist, kann der Optiker nun darauf verweisen, dass er hier zum Wohle der Eltern diese Informationsbroschüre nutzt und kein wirtschaftliches Interesse dahintersteckt. Weiter kann sie als unabhängige Information bei verschiedenen Kontaktpunkten wie Apotheken, Kinderärzten und Augenärzten angeboten werden. Schlussendlich entscheiden die Eltern und das Kind dann selbst, wie weiter verfahren wird. Aber sie sind sich nun der Möglichkeiten und der Konsequenzen um einiges klarer. Die Verantwortung liegt nun klar bei ihnen.

Optikernetz: Vielen Dank für das Interview.

Weitere Informationen gibt es hier: https://optik-weiterbildung.com/



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